Anna Waser

Schweizer Malerin und Radiererin

Anna Waser (getauft am 16. Oktober 1678 in Zürich; † 20. September 1714 ebenda) war eine Schweizer Miniaturmalerin, Zeichnerin, Radiererin und Kalligrafin des Hochbarocks. Sie gilt als eine der frühesten namentlich bekannten Schweizer Malerinnen.[2]

Anna Waser: Selbstbildnis mit 12 Jahren, 1691. 83 × 68 cm.
Kunsthaus Zürich.
Selbstporträt,[1] 1706; Silberstift

Anna Waser war das fünfte Kind von Esther (geb. Müller) und Johann Rudolf Waser. Beide Eltern stammten aus einflussreichen Zürcher Familien.[3] Der Vater amtierte als «Schirmschreiber» der Stadt Zürich,[4] d. h. er führte als Notar das amtliche Verzeichnis des Vermögens von Witwen und Waisen und verwaltete den «Schirmkasten», in welchem diesbezügliche Dokumente aufbewahrt wurden.[5] Von 1680 bis 1686 vertrat er als Amtmann die Zürcher Obrigkeit in Rüti;[4] danach wirkte er wieder in Zürich als Pfleger des Grossmünsterstifts[4][6] und war Mitglied des Grossen Rats.[7]

Anna verbrachte ihre Kindheit und frühe Jugend in Rüti und Zürich. Sie erhielt eine breite humanistische Ausbildung; Johann Caspar Füssli erwähnt ihre sehr guten Kenntnisse in Latein, Französisch, Italienisch und Mathematik.[8] Ihr erster Zeichenlehrer war Johann Georg Sulzer aus Winterthur, dessen Porträt sie in ihr Selbstbildnis von 1691 integrierte.[9]

Von 1691 bis 1695 besuchte sie die private Kunstschule des Miniatur- und Historienmalers Joseph Werner in Bern.[9] Sie lebte in Werners Haus und schloss Freundschaft mit ihm sowie mit seinen Kindern Sibylla und Christoph, mit denen sie später regen Briefkontakt pflegte. 1695 zog Werner mit seiner Familie nach Berlin, wo er Hofmaler und Direktor der 1696 gegründeten kurfürstlichen Kunstakademie wurde.[4]

Nach Abschluss ihrer künstlerischen Ausbildung arbeitete Anna Waser in ihrer Heimatstadt Zürich so erfolgreich als Miniaturmalerin, dass sie bald über die Landesgrenzen hinaus bekannt wurde. Zu ihren Kunden gehörten u. a. die Fürstenhöfe von Stuttgart und Baden-Durlach.[4] 1700 ernannte sie der hessische Graf Wilhelm Moritz zu Solms-Braunfels zur Hofmalerin auf Schloss Braunfels, wo ihr Bruder Johann Rudolf als Hauslehrer wirkte. Nachdem dieser nach Holland weitergezogen war, kehrte sie nach Zürich zurück (vermutlich um 1702). Zumindest bis 1708 war sie hier weiterhin künstlerisch tätig. Aus späterer Zeit ist nur ein einziges Werk erhalten, eine Silberstiftzeichnung von 1711,[9] beschriftet in französischer Sprache: «Wie die Gesundheit das Paradies des Körpers ist, so ist die Liebe Gottes (oder: die Liebe zu Gott) das Paradies der Seele.» (Siehe Abbildung.)

 
Wasers letztes bekanntes Werk:
Weibliches Idealporträt, 1711
(Staatliche Museen zu Berlin)

Anna Waser blieb ledig.[6] 1714 starb sie im Alter von erst 35 Jahren unter unbekannten Umständen. Ihr früher Tod und das Fehlen künstlerischer Werke aus ihren letzten Lebensjahren führten zur Entstehung von Legenden.[9] Johann Caspar Füssli erwähnte 1757 in seinem Künstlerlexikon Geschichte und Abbildung der besten Mahler in der Schweitz angeblichen Leistungsdruck, der von Annas Vater ausgegangen sei, und nannte als Todesursache einen «Fall» (mit falscher Jahresangabe, 1713 statt 1714): «… da aber ihre Neigungen unter diesem Zwang gedrückt wurden, so verlohr sie ihre Leibs- und Gemühts-Kräfte, und starb von einem Fall A. 1713, im 34. Jahr ihres Alters.»[13]

In Wasers kalligrafischem Werk Schreibüebung (1708; siehe unten, Werk) finden sich die folgenden Sätze über den Tod, in französischer Sprache verfasst:

„Wir sollten nicht daran denken, den Tod zu fürchten, sondern nur daran, ihn durch die Taten, die wir vor dem Verlassen dieser Welt vollbringen, gut zu machen. Die Länge oder Kürze des Lebens entscheidet nicht über seine Glückseligkeit, denn es ist der letzte Augenblick, der sie gewährt. Wenn ein Schiff zerbricht, denkt jeder daran, sich zu retten, ohne sich um die Reichtümer zu kümmern, die er zurücklässt. Dasselbe müssen wir tun, wenn wir uns dem Tode nahe sehen. Man sollte an die Güter denken, auf die man hofft, und nicht an die, die man verlassen muss. Die höchste Stufe der Weisheit besteht darin, im Leben das zu tun, was man im Sterben wünscht, während des ganzen Lebens getan zu haben.[14]

 
Kupferstich von Anna Waser, 1708: Ne songeons point à craindre la mort…

Laut Füssli hatte Waser Briefkontakt gepflegt mit Malerkollegen und anderen bekannten Persönlichkeiten: «Die größten Männer Deutschlandes verehrten sie: und Joseph Werner (…), Felix Meyer (…), Wilhelm Stettler und Dünz wechselten Briefe mit ihr über die Mahler-Kunst. Die geschickte Maria Clara Eimmart verlangte ihre Freundschaft ebenfalls, und der bekannte Doctor Scheuchzer unterhielte sie.»[8] Die Briefe sind nicht mehr auffindbar,[4] erhalten ist hingegen Annas Eintrag im Stammbuch ihres Cousins, Johann Jakob Scheuchzer.

 
Stammbucheintrag für Johann Jakob Scheuchzer, datiert 12. Juli 1697.
Der lateinische Leitspruch (oben) bedeutet: «Wirklich edel ist, wer wirklich demütig ist.»
Die Widmung in französischer Sprache (unten rechts) heisst übersetzt: «Diese wenigen Striche sollen dem berühmten Herrn Besitzer dieses Buches die Wertschätzung seiner Cousine versichern.»

Um 1707/1708 schickte Anna Waser ihre Lebensgeschichte, ein in Silberstifttechnik ausgeführtes Selbstbildnis und weitere Kunstwerke an Jacob von Sandrart für eine geplante Fortschreibung des von seinem Onkel Joachim von Sandrart begründeten Künstlerlexikons Teutsche Academie. Zu dieser Fortschreibung kam es aber nicht mehr, weil Jacob von Sandrart kurz darauf starb. Wasers Lebensgeschichte ging offenbar verloren. Füssli stellte lakonisch fest: «Wäre es [Sandrarts Vorhaben] zu Stande gekommen, so könnten wir mehr zuverlässiges von ihren Arbeiten wissen.»[15]

Erst 1899, 185 Jahre nach Anna Wasers Tod, wurde in Zürich die erste Kunstschule für Damen gegründet, von Luise Stadler.

Wasers von zeitgenössischen Kritikern so sehr gelobten Werke sind grösstenteils verschollen. Ausser dem bemerkenswerten Selbstporträt der Zwölfjährigen sind heute nur noch etwa 25 Zeichnungen und wenige Miniaturen bekannt.[9] Bereits 1757 musste Johann Caspar Füssli von «Überbleibseln» ausgehen, «welche sich noch hier befinden, es sind entweder Lehrstücke oder Entwürffe».[16] Ihre «besten Stücke» seien nach England, Deutschland und Holland gekommen.[17]

Für ihren Cousin, den Arzt und Naturforscher Johann Jakob Scheuchzer, malte oder zeichnete sie Landschaften, als Vorlagen für Illustrationen in seinem Werk Ouresiphoites Helveticus, sive itinera alpina («Helvetischer Berggänger, oder Reisen durch die Alpen», London 1708[18]; 2. Auflage: Leiden 1723[19]). Scheuchzer legte Wert darauf, dass die künstlerische Leistung seiner Cousine gewürdigt wurde; der für die Drucklegung Verantwortliche bezeichnete sie in einem Brief an ihn als the most Ingenious Madame Anne Waser.[20]

Das erste der folgenden vier Bilder liess Scheuchzer erst in der zweiten Auflage von 1723 vor dem Titelblatt einfügen, neun Jahre nach Wasers Tod. Die Illustrationen der ersten Auflage von 1708 wurden mit finanzieller Unterstützung durch Mitglieder der Royal Society gedruckt; unter jedem Bild steht der Name eines Spenders. Der Sponsor der drei Bilder, die den Teilen von Scheuchzers Werk vorangestellt sind, war Isaac Newton persönlich, seit 1703 Präsident der Royal Society.

1708 gab Anna Waser unter dem Titel Schreibüebung eine Sammlung kalligrafischer Vorlagen mit 14 Seiten heraus, zusammen mit ihren Schwestern Anna Maria und Elisabetha; Anna hatte das Werk selbst in Kupfer gestochen.[21] Auch ihr Vater steuerte eine Seite bei.[22] Neben den bereits im Abschnitt «Leben» wiedergegebenen Sätzen über den Tod ist auch der Inhalt von Annas in Deutscher Kurrentschrift geschriebenem Text (zweites Bild) bedeutsam:

„Ich schäze das grösseste Königreich die Freyheit des Herzens, welches an nichts als an seinem Ursprunge, dem Himmel hengt, das seinen Schöpfer nicht erzürnet, keinen Menschen beleidiget, sich nur in guten löblichen Geschäften üebet, und denen Begierden alsobald widerstehet wann sie irgendswo einen Abweg nehmen wöllen. Ein solches Herz ist ein beständiges Wolleben, immer vergnügt, und wie es auch in der Welt zugehet, allzeit getrost, gedenkende, daß ihme alles, ja auch die Widerwertigkeit selbst nur zum besten dienen müsse.“

Der Text im vierten Bild über den Wert der Bildung stammt von Annas Schwester Anna Maria.

Geschwister

Bearbeiten

Elisabetha, die «Schreibmeisterin»

Bearbeiten

Annas jüngere Schwester Elisabetha Waser (* 1683 in Rüti; † 3. Dezember 1729 in Zürich) wurde als Schreibmeisterin und Zeichnerin bekannt. Sie unterrichtete gegen 600 Kinder im Schreiben, Zeichnen und Singen. Wie Anna blieb auch Elisabetha ledig. Als sie 1729 im Alter von 46 Jahren starb, veröffentlichte einer ihrer beiden Brüder unter dem Pseudonym «Rodrico» zu ihren Ehren eine Ode: Lob- und Traueropfer über die mir allzu frühzeitige doch höchst selige Erblassung der von Gott mit vielen hohen Tugenden und Wissenschaften erleuchtet gewesenen Jungfrau Elisabetha Waserin.[23][24]

Hans Rudolf Waser (* 1675; † 31. Oktober 1745 in Zollikon) war von 1706 bis zu seinem Tod 1745 Pfarrer in Zollikon. 1709 wurde er der erste Bewohner des Zolliker Pfarrhaues im Hinterdorf, heute Alte Landstrasse 45. In erster Ehe verlor er alle sechs Kinder, die meisten an Blattern. Seine erste Frau Anna geb. Teucher starb 1724 mit 37 Jahren. Seine zweite Frau war Anna Barbara geb. Füssli, die ihn um drei Jahre überlebte.

Ein weiterer Bruder Annas war Heinrich Waser, Pfarrer in Hombrechtikon.[25]

Roman über Anna Wasers Leben

Bearbeiten

Die Historikerin und Literaturwissenschaftlerin Maria Waser, deren Ehemann Otto Waser ein Nachkomme eines Bruders von Anna war,[26] veröffentlichte 1913 den Roman Die Geschichte der Anna Waser.[27] Dieses literarische Werk erhöhte den Bekanntheitsgrad der Malerin; es hatte aber auch zur Folge, dass später Einzelheiten, welche die Autorin erfunden hatte, mit den spärlichen historischen Angaben zu Anna Wasers Leben vermengt wurden.

 
Gedenktafel am Haus «Zur Alten Post», Münster­gasse 19, in Zürich

Anna Waser wurde anlässlich der ersten Frauenehrung am Sechseläuten 1998 von der Gesellschaft zu Fraumünster geehrt. Ihre Gedenktafel befindet sich am Haus «Zur alten Post» an der Münstergasse 19 in Zürich, in dem sie einen grossen Teil ihres Lebens verbrachte.

Literatur

Bearbeiten
  • Johann Caspar Füssli: Anna Waser. In: Geschichte und Abbildung der besten Mahler in der Schweitz. Band 2. David Gessner, Zürich 1757, S. 224–231. – Weitgehend identischer Text, grafisch besser lesbar:
    Anna Waser. In: Geschichte der besten Künstler in der Schweitz: nebst ihren Bildnissen. Band 3. Zürich 1770, S. 5–14.
  • Jean-Baptiste Descamps: Anna Wasser. In: La vie des peintres flamands, allemands et hollandois: avec des portraits … Band 4. Paris 1764, S. 202–205. (Descamps’ Eintrag zu Anna Waser scheint ausschliesslich auf Füssli zu beruhen, auch wenn er Füsslis Formulierungen teilweise recht eigenwillig wiedergibt; jedenfalls ist Füsslis Werk die einzige Quelle, die er erwähnt.)
  • Maria Waser: Waser, Anna. In: Carl Brun (Redakteur): Schweizerisches Künstler-Lexikon. Hrsg.: Schweizerischer Kunstverein. Band 3. Huber, Frauenfeld 1913, S. 427–431.
  • M. W. [Maria Waser]: Anna Waser (1678–1714). Zur zweihundertsten Wiederkehr ihres Todestages. In: Die Schweiz: schweizerische illustrierte Zeitschrift. Band 18, 1914, S. 427–430. (Der Artikel ist weitgehend identisch mit dem Eintrag im Schweizerischen Künstler-Lexikon von 1913, doch enthält er kleinere Ergänzungen und ist mit Illustrationen versehen, auf die der Text Bezug nimmt.)
  • Verena Bodmer-Gessner: Die Zürcherinnen, Kleine Kulturgeschichte der Zürcher Frauen. Verlag Berichthaus, Zürich 1961, S. 70/71, S. 179/180.
  • Gottfried Sello: Malerinnen aus fünf Jahrhunderten. Ellert und Richter, Hamburg 1988, ISBN 3-89234-077-3.
  • J. K. Dabbs: Life Stories of Women Artists, 1550–1800. An Anthology. University of Minnesota Morris 2008, S. 328–336.
  • Susann L. Pflüger: Neujahrsblatt der Gesellschaft zu Fraumünster. Band 10. Edition Gutenberg, Zürich 2016, ISSN 1663-5264.
Bearbeiten
Commons: Anna Waser – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise und Anmerkungen

Bearbeiten
  1. Die Zeichnung, welche sich damals in Zürcher Privatbesitz befand, wurde 1914 von Maria Waser in einem Artikel in der Zeitschrift Die Schweiz wiedergegeben und als Anna Wasers Selbstbildnis gedeutet. (M. W. [Maria Waser]: Anna Waser (1678–1714). In: Die Schweiz: schweizerische illustrierte Zeitschrift. Band 18, 1914, S. 429.) Die Wölbung der Augenbrauen erscheint im Vergleich zum Ölgemälde von 1691 idealisiert; das gilt aber auch für die Rötelzeichnung, welche ausdrücklich als Selbstporträt bezeichnet ist. – Die lateinische Bildbeschriftung bedeutet: «Bescheidene Jugend, geachtetes Alter.» / «Anna Waser von Zürich hat es gemacht, im Jahr 1706.»
  2. Tapan Bhattacharya: Anna Waser. In: Historisches Lexikon der Schweiz.
    Von den etwa 120 Malerinnen der Kategorie Female painters from Switzerland in Wikimedia Commons (Stand 2024) ist Anna Waser die früheste; die chronologisch nächsten sind Anna Maria Barbara Abesch (1706–1773) und Angelika Kauffmann (1741–1807). Zusätzlich zu erwähnen ist Louise de Corcelles (1726–1796), aufgeführt in der Kategorie Swiss women painters der englischen Wikipedia. (Die Kategorie Femme peintre suisse der französischen Wikipedia enthält keine weiteren vor 1750 geborenen Künstlerinnen.)
    Der Zürcher Maler und Autor von Künstlerlexika Johann Caspar Füssli, dem die meisten Angaben zu Anna Wasers Leben und Werk zu verdanken sind, hatte selbst zwei malende Töchter: Elisabeth (1744–1780) und Anna (1749–1772). Über beide ist nur bekannt, dass sie Blumen und Insekten malten. (Elisabeth Füssli. In: Sikart. – Anna Füssli. In: Sikart.)
  3. Maria Waser: Waser, Anna. In: Carl Brun (Redakteur): Schweizerisches Künstler-Lexikon. Hrsg.: Schweizerischer Kunstverein. Band 3. Huber, Frauenfeld 1913, S. 427 und 430. – Annas Grossvater mütterlicherseits, Hans Heinrich Müller, amtierte als «Obmann gemeiner Klöster». In der Familie Waser gab es in früheren Generationen drei bekannte Persönlichkeiten: Annas Urgrossvater war der Theologe und Orientalist Kaspar Waser; Annas Grossonkel Johann Heinrich Waser war von 1652 bis 1669 Bürgermeister der Stadt Zürich; ein anderer Grossonkel, Hans Caspar Waser, leitete von 1668 bis 1677 als Antistes die Zürcher Kirche. Der Theologe und Historiker Josias Simler war Annas Ururgrossvater.
  4. a b c d e f Maria Waser: Waser, Anna. In: Carl Brun (Redakteur): Schweizerisches Künstler-Lexikon. Hrsg.: Schweizerischer Kunstverein. Band 3. Huber, Frauenfeld 1913, S. 427–431.
  5. Schirmschreiber, Schirmkasten, Schirmbuch. In: Deutsches Rechtswörterbuch.
  6. a b Tapan Bhattacharya: Anna Waser. In: Historisches Lexikon der Schweiz.
  7. Johann Caspar Füssli: Geschichte und Abbildung der besten Mahler in der Schweitz. Band 2. David Gessner, Zürich 1757, S. 226 (Digitalisat, Bayerische Staatsbibliothek).
  8. a b Füssli 1757, S. 231.
  9. a b c d e Ruth Greter: Anna Waser. In: Sikart (Stand: 2016, erstmals publiziert 1998).
  10. Die lateinische Bildbeschriftung bedeutet: «Anna Waser hat sich selbst gezeichnet» (se ipsam del[ineavit]).
  11. Die Zeichnung wurde 2022 in London für 69.300 GBP versteigert. (Anna Waser. A self portrait. Sotheby's. / Anna Waser. A self portrait, 1704. MutualArt.) Die Darstellungen Anna Wasers in den Künstlerlexika von Füssli und Descamps (siehe «Literatur») stimmen in vielen Einzelheiten mit dieser Zeichnung überein.
  12. Die lateinische Bildbeschriftung bedeutet: «Anna Waser, Zürcher Patrizierin, eheliche Tochter des Herrn Johann Rudolf Waser, des ehemaligen Verwalters (Amtmanns) von Rüti und Mitglieds des Zürcher Rats der Zweihundert (Grossen Rats), hat sich selbst gemalt im Jahr 1705. Kennzeichen (Leitspruch): Was ich wünsche, ist nicht sterblich.» (Das war auch der Wahlspruch von Heinrich Escher, der fast während des ganzen Lebens von Anna Waser als Zürcher Bürgermeister amtierte; vgl. Scheibenriss einer Stifterscheibe, ZB Zürich.)
    Maria Waser gab das Bild 1914 in ihrem Artikel über Anna Waser in der Zeitschrift Die Schweiz wieder und erläuterte es folgendermassen: «… das originelle Porträt aus Winterthurer Privatbesitz, das Anna als Dame von Gesellschaft zeigt, in der überladenen Tracht einer Patrizierin, im Brokatgewand mit hellem Fürtuch, mit reichgesticktem Hemd und weißem Fichu, mit komplizierter schmuckbeschwerter Haube, mit handgeschmücktem Fächer und lächerlich kleinen Schuhen, die ganze modisch elegante Gestalt nach demselben Geiste stilisiert wie der gradlinig zugestutzte Garten des Hintergrundes. Es fällt nicht leicht, aus all der entstellenden Pracht die Züge wiederzuerkennen, die sich in den beiden andern Silberstiftzeichnungen so einfach und natürlich geben.» (M. W. [Maria Waser]: Anna Waser (1678–1714). In: Die Schweiz: schweizerische illustrierte Zeitschrift. Band 18, 1914, S. 429.)
  13. Füssli 1757, S. 230 (Digitalisat). – Laut Füssli habe Annas Vater schon früh grossen Druck auf sie ausgeübt und sei auch für ihre Rückkehr von Schloss Braunfels verantwortlich gewesen: «… denn unsere Mahlerin ward von ihrem Vater angehalten, ihre Kunst zum Nutzen seiner zahlreichen Familie anzuwenden. Dieses schwächte ihren Fleiß, bey der Ausarbeitung der Stücke sowol, als ihre Leibes-Kräfte, und machte sie verdrießlich. Sie ward zwar A. 1699 an den Hochgräflichen Solms-Braunfelsischen Hof beruffen, und ihr recht sehr vortheilhafte Bedinge zugestanden; sie folgte dem Ruff, und gieng dahin ab von ihrem Bruder begleitet, genoß sehr viele Vorzüge, und erlangte ihre Munterkeit wieder; doch das ungestüme Anhalten ihres Vaters beunruhigte sie von neuem, sie war tugendhaft, und hielt es für ihre Pflicht, zu gehorsamen, gieng zurück, und arbeitete unermüdet…» (Hier schliesst der oben wiedergegebene Satz über das Ende ihres Lebens an.)
    Maria Waser beurteilte im Schweizerischen Künstler-Lexikon von 1913 die angebliche Geldgier des Vaters als unglaubwürdig: Sowohl er als auch seine Frau hätten über ein beachtliches Vermögen verfügt; zudem seien die älteren Geschwister bereits selbständig gewesen, als Anna ihre Berufstätigkeit aufnahm, und auch die beiden jüngeren hätten sich bald nach Annas Rückkehr von Schloss Braunfels unabhängig gemacht. Der Vater starb 18 Monate vor Anna, wie Maria Waser festhielt: «wäre er wirklich ihr Unterdrücker gewesen, so hätte sie sich nach seinem Tode – dazu war sie damals noch jung genug – aufraffen können.» Schliesslich widerspreche Füsslis Behauptung auch dem, was sonst über Annas Vater bekannt sei: Er sei «zwar ein strenger, unermüdlich thätiger, aber gebildeter und weitblickender Mann» gewesen, «wie neben den Dokumenten aus seiner amtlichen Thätigkeit vor allem auch die Thatsache zeigt, daß er seinen Kindern und auch den Mädchen eine so sorgfältige, für die damalige Zeit durchaus außergewöhnliche Erziehung angedeihen ließ.»
    Dennoch folgte Maria Waser – ohne dies zu begründen – Füssli darin, dass in den letzten Lebensjahren eine «Verdüsterung im Wesen der Künstlerin» stattgefunden habe. (Maria Waser: Waser, Anna. In: Schweizerisches Künstler-Lexikon. Huber, Frauenfeld 1913, S. 429.)
  14. Anna Waser, Anna Maria Waser, Elisabeth Waser: Schreibüebung. Zürich 1708 (Digitalisat). Die Seite ist signiert «A. W.»; der Text stammt also von Anna.
  15. Füssli 1757, S. 228–229.
  16. Füssli 1757, S. 230.
  17. Füssli 1757, S. 228.
  18. Digitalisat
  19. Digitalisat
  20. Michèle Seehafer: Waser und Merian – Zwei Künstlerinnen des Barock. In: Blog des Schweizerischen Nationalmuseums. 9. Januar 2023, abgerufen am 19. Februar 2024.
  21. Schreibüebung – Auf jeziger Zeit gebräuchliche Haubtsprachen eyngerichtet / und durch Anna Waser von Zürich / so wol nach ihren als ihrer Schwesteren / Anna Maria und Elisabet der Waseren freyen eigenhändigen Verfassungen ins Kupfer gebracht… (Digitalisat)
  22. Digitalisat. Die Angabe I.R.W.P.scr. (unten links) bedeutet gemäss Maria Waser im Schweizerischen Künstler-Lexikon von 1913: J(oannes) R(odolphus) W(aserus) P(ater) scr(ipsit) – «Johann Rudolf Waser, der Vater, hat es geschrieben».
  23. Maria Waser: Waser, Elisabetha. In: Carl Brun (Redakteur): Schweizerisches Künstler-Lexikon. Hrsg.: Schweizerischer Kunstverein. Band 3. Huber, Frauenfeld 1913, S. 431.
  24. P. Gr.: Lob- Traur- und Trost-Opffer, Uber den unserer zarten Jugend weiblichen Geschlecht füraus schädlich- und empfindlichen Todes-fahl der (…) selig-verstorbenen, Kunst, Tugend und Gottseligkeit weit-berühmten Jungfrau, Jgfr. Elisabetha Waserin. [Zürich] 1730. doi:10.3931/e-rara-125847. (Offenbar weicht diese Version der Ode ab von derjenigen, welche Maria Waser vorlag.)
  25. Heinrich Bruppacher, Alexander Nüesch: Das Alte Zollikon, Verlag Zürcher und Furrer, Zürich 1899, S. 548/49
  26. (Zu Heini Waser, Sohn von Otto und Maria Waser:) «Unter den Vorfahrinnen väterlicherseits findet sich die Zürcher Malerin Anna Waser.» Doris Zollikofer: Heini Waser. In: Sikart.
  27. Maria Waser: Die Geschichte der Anna Waser: ein Roman aus der Wende des 17. Jahrhunderts. Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart 1913 (Digitalisat der Auflage 1922); Neuauflage: Deutsche Nationalbibliothek, Leipzig / Frankfurt am Main 2023.