Gymnasium Marienberg (Neuss)

Mädchengymnasium in Neuss in Trägerschaft des Erzbistum Köln

Die Erzbischöfliche Schule Marienberg, Gymnasium für Mädchen, kurz das Gymnasium Marienberg ist ein je nach Jahrgang fünf- bis sechszügiges Mädchengymnasium in Neuss in Trägerschaft des Erzbistums Köln. Es wurde 1857 auf Initiative Neusser Bürger im Zusammenwirken mit den Schwestern vom armen Kinde Jesus als private höhere Mädchenschule gegründet. Bis heute ist das Kloster und die dazugehörige Kapelle ein fester Bestandteil des Schullebens, nicht zuletzt, weil dort Schulgottesdienste gefeiert werden. Die große Schülerinnenzahl in der Oberstufe garantiert ein breit gefächertes Kursangebot an Grund- und Leistungskursen mit guten Möglichkeiten zur individuellen Schwerpunktsetzung.

Erzbischöfliche Schule Marienberg, Gymnasium für Mädchen
Gymnasium Marienberg (16. September 2021)
Schulform Gymnasium
Schulnummer 165153
Gründung 1857
Adresse Rheinstraße 3
Ort Neuss
Land Nordrhein-Westfalen
Staat Deutschland
Koordinaten 51° 12′ 3″ N, 6° 41′ 34″ OKoordinaten: 51° 12′ 3″ N, 6° 41′ 34″ O
Träger Erzbistum Köln
Schüler 935[1]
Lehrkräfte 64
Leitung Norbert Keßler
Website www.GymnasiumMarienberg.de

Geschichte

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Etwa ab 1857 hatte die Stadt Neuss bei verschiedenen Frauenorden angefragt, ob sie zur Übernahme einer Neusser Mädchenschule bereit seien. 1855 war am Neusser Münsterplatz ein Waisenhaus von den Schwestern vom armen Kinde Jesus übernommen worden, ein Orden, der von Clara Fey 1844 in Aachen gegründet worden war. Ziel des Ordens war die Sorge um die teilweise verwahrlosten Kinder insbesondere des zunehmenden Industrieproletariats. Es ging um deren Ausbildung und dafür benötigte der Orden zunehmend Lehrerinnen. Die Schwestern vom armen Kinde Jesu erklärten sich bereit, die Höhere Töchterschule in Neuss zu übernehmen und erhofften sich gleichzeitig hier auch die Ausbildung von Lehrerinnen für ihre Waisenhäuser und Elementarschulen. Das Waisenhaus zieht nun zusammen mit der Höheren Töchterschule an den Standort Glockhammer/Ecke Rheinstraße, an dem die Schule bis heute steht.[2] Die Schule wurde bis 1870 zu einer Schule für Mädchen über sechs Klassenstufen ausgebaut, mit einem anschließenden Vorbereitungskurs für Lehrerinnen. 1870 gab es etwa 200 Schülerinnen, davon lebten 30 im angeschlossenen Internat. Während des Kulturkampfes musste die Schule bis 1888 vom Orden, als katholischem Träger, aufgegeben werden. Die Schule wurde von den zwei Schwestern Borell weiter geführt, die Zahl der Schülerinnen sank auf 78. Von 1888 bis 1909 stieg die Schülerinnenzahl wieder auf 260 an. Die Zahl der Klassenstufen stieg auf neun. Ostern 1909 erhielt Marienberg die staatliche Anerkennung als „Höhere Mädchenschule“. 1910 wurde ein Handelsschulkurs eingeführt. 1912 erhielt Marienberg mit zehn Klassen die Bezeichnung „Lyzeum Marienberg“, gleichzeitig wurde eine „Studienanstalt realgymnasialer Richtung“ angeschlossen, an der die Mädchen nun auch ihr Abitur machen konnten. Als 1918 das erste Abitur abgelegt wurde, betrug die Zahl der Schülerinnen 534, 1920 hatte die Schule sogar 800 Schülerinnen. Nach 1933 wurde nicht mehr allen jungen Frauen, die ihr Abitur abgelegt hatten, die Hochschulreife zuerkannt. Das Frauenstudium war nicht mehr gewollt. 1940 musste die Schule auf Druck der NSDAP mit 420 Schülerinnen in städtische Verwaltung übergeben werden, auch wenn die Lehrerschaft erhalten blieb. Insgesamt haben von 1918 bis 1940 400 junge Frauen ihr Abitur an der Schule abgelegt, 70 % von ihnen studierten anschließend. Sofort nach Kriegsende, im September 1945, wurde die Schule wieder vom Orden der Schwestern vom armen Kinde Jesu weitergeführt. Die Frauenoberschule, die unter städtischer Leitung angegliedert worden war, wurde erst 1947 wieder in Betrieb genommen, da deren Gebäude im Krieg zerstört worden waren. Die Handelsschule wurde 1952 wieder eingeführt.[3] 1967 wurde der Förderverein Vereinigung Marienberg e. V. gegründet. 1977 wurde das erste Mal das Abitur nach der reformierten Oberstufe abgelegt. Die Schule wuchs weiter an und hatte 1978 mit der Einweihung des Neubaus 1312 Schülerinnen. Da die Anzahl der Schwestern immer mehr zurückging, konnte der Orden die Trägerschaft der Schule nicht mehr leisten und übertrug diese an das Erzbistum Köln. 1990 hatte mit Elfriede Schmitz-Keil bereits die erste weltliche Direktorin die Leitung der Schule übernommen. Im gleichen Jahr wurde das neu erbaute Sportzentrum eingeweiht.[4]

Lage und Beschreibung

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Die Schule liegt in unmittelbarer Nähe zur Neusser Innenstadt und zum Neusser Hafen. Die Schulaula inkl. der Mensa liegen direkt am ersten Hafenbecken und sind über eine Brücke mit dem restlichen Schulgebäude verbunden. Die Stadtbibliothek Neuss liegt gegenüber der Schule, das Quirinus-Münster, der Marktplatz mit dem Rathaus sowie das Rheinische Landestheater sind in direkter Nachbarschaft fußläufig erreichbar.

Gebäude

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A-, B- und C-Trakt

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Um dem Wachstum der Schule Rechnung zu tragen, wurde 1978 der heutige Kernbereich des Schulgebäudes errichtet. Mit Ausnahme einer kleinen Erweiterung des A-Traktes ist dieser in seiner heutigen Form und beherbergt neben einem Großteil der Fach- und Klassenräume auch alle Verwaltungsstellen.

Dieser Teil des Gebäudes ist der älteste Teil der Schule und wurde umfassend saniert. Allerdings nutzt das Gymnasium hauptsächlich die alte Aula und ansonsten nur wenige Räume dieses Gebäudes, da dort auch das Berufskolleg Marienberg untergebracht ist. Für die Schülerinnen befindet sich im Dachgeschoss ein Selbstlernzentrum.

Sportzentrum Marienberg

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1989 wurde mit dem Bau des Sportzentrums begonnen. Es beherbergt zwei kleine Turnhallen im Untergeschoss und eine große Multifunktionshalle, die in zwei kleinere Hallen unterteilt werden kann. Das Sportzentrum wird auch von Sportvereinen, wie der TG Neuss genutzt.

Forum Marienberg

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Das Forum Marienberg wurde im Jahr 2011 eröffnet.[5] Das Forum Marienberg beherbergt einen großen Veranstaltungssaal, der als Schulaula genutzt wird, und die Mensa, die mit der Einführung des Nachmittagsunterrichtes in der Sekundarstufe I nötig wurde. Das Forum liegt direkt am Hafenbecken I und ist über eine überdachte Fußgängerbrücke mit dem Schulhof direkt verbunden.

Die Kapelle wird für alle wöchentlichen Schulgottesdienste der Sekundarstufe I genutzt. Aufgrund der kleinen Größe müssen die Gottesdienste der Oberstufe allerdings im Quirinus-Münster und Schulmessen in St. Marien gefeiert werden.

siehe: Kloster Marienberg

Kooperationspartner

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Schule als Lern- und Lebensort, das heißt auch die Öffnung von Schule in die Region. Kooperationen in der Bildung und Betreuung mit freien Trägern der Jugendhilfe, Musikschulen, Sportvereinen, Kirchengemeinden und der Wirtschaft bringen Innovation und Erweiterung des Angebotsspektrums.

Diese Kooperation muss allerdings in feste Strukturen eingebunden werden, damit sie als dauerhaftes Angebot der Schule etabliert werden kann. Die Möglichkeiten der Zusammenarbeit von Pädagogen und außerschulischen Partnern sind sehr vielfältig.

Einige dieser Kooperationspartner sind u. a. die Academy for Junior Managers (AJM), der Rhein-Kreis Neuss. Als Austauschschule bestehen u. a. Verbindungen zur Ashley Hall, einer Schule in South Carolina in den Vereinigten Staaten. Die Schule Marienberg bietet ihren Schülerinnen ein breites Angebot an Sprachzertifikaten, so u. a. das Cambridge-Sprachzertifikat (Diplom für den englischsprachigen Sprachraum).

Schulpastoral

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Eine Schwester der Dienerinnen und Diener des Evangeliums ist seit dem Schuljahr 2022/23 am Gymnasium Marienberg in Neuss im Einsatz.[6]

Liste der Schulleiterinnen und Schulleiter

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  • 1888–1909: Schwester Johanna Matha
  • 1909–1933: Schwester Thoma Angelica Walter
  • 1933–1948: Schwester Mariana Gölden
  • 1949–1966: Schwester Maria Alexia Schnaas
  • 1966–1972: Schwester Clara Ignatia Nießen
  • 1972–1990: Schwester Maria Lioba Otten
  • 1990–2006: Elfriede Schmitz-Keil
  • 2006–2019: Josef Burdich
  • 2019–2021: Tilman Latzel[7]
  • seit 2021: Norbert Keßler

Liste der Schulgeistlichen

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  • 1997–2009: Pfarrer Martin Kürten[8]
  • 2009–2012: Pfarrer Peter Kohlgraf
  • 2012–2021: Pfarrer Guido Dalhaus

Bekannte Schülerinnen

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Bekannte Lehrkräfte

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Im Eingangsbereich befindet sich seit 1977 eine Marienplastik von Ernst Günter Hansing.[10]

Der Bereich zwischen Gymnasium Marienberg und Stadtbibliothek bildete einen der Drehorte für den Fernsehfilm „Die Spur der Mörder“ von Regisseur Urs Egger aus dem Jahr 2019. Direkt in den Eröffnungsszenen zu Beginn des Films mit Heino Ferch und Joachim Król ist das Hauptgebäude in Großaufnahme bei Nacht mehrfach gut zu sehen.

Literatur

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  • Katharina Braeckeler: Die Schule Marienberg. In: Lokalkomitee für den Diözesan-Katholikentag des Erzbistums Köln Neuss 1960 (Hrsg.): Das katholische Neuss. Neuss 1960, S. 98–102.
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Commons: Gymnasium Marienberg – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

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  1. „Schule suchen“ des Ministeriums für Schule und Bildung des Landes Nordrhein-Westfalen. Zuletzt abgerufen am 20. Juli 2024.
  2. Sr. Maria Caritas: Erstaunliche Entdeckung: Marienberg begann als Lehrerinnenbildungsanstalt. In: 125 Jahre Schule Marienberg. Neuss 1982.
  3. Katharina Braeckeler: Die Geschichte der Schule Marienberg spricht zu uns. In: 100 Jahre Schule Marienberg Neuss/Rhein 1857–1957. Neuss 1957, S. 7 – 23.
  4. Josef Burdich: Geschichte der Schule Marienberg. In: 150 Jahre Marienberg : Jubiläumsedition 2007. Neuss 2007, S. 6 – 22.
  5. Marienberg-Forum in Betrieb genommen, Zeitungsartikel der Westdeutschen Zeitung vom 11. Januar 2011
  6. Katholisch in Neuss. Ordenskonvent in der alten Kaplanei. In: Neuß-Grevenbroicher Zeitung vom 21. Juni 2022. Zuletzt abgerufen am 25. November 2022.
  7. Wechsel von Alpen nach Neuss: Tilman Latzel wird Chef am Gymnasium Marienberg. In: Neuß-Grevenbroicher Zeitung vom 6. Juli 2019 (abgerufen am 9. Juli 2019).
  8. N. N.: Neuer Pfarrer kommt an die Sieg. In: AK-Kurier, 19. Januar 2009. Zuletzt abgerufen am 15. Oktober 2021.
  9. Vgl. Carla König: Forschung zu Stoffwechsel-Erkrankungen. Die Nachwuchswissenschaftlerin des Jahres kommt aus Neuss. In: Neuß-Grevenbroicher Zeitung vom 22. Januar 2024. Zuletzt abgerufen am 23. Januar 2024.
  10. Christoph Kleinau: Stifter in Neuss. Kunst entdecken am Marienberg. In: Neuß-Grevenbroicher Zeitung vom 9. September 2022.