Herbstliche Musiktage Bad Urach

internationales Festival der klassischen Musik

Die Herbstlichen Musiktage Bad Urach sind ein internationales Festival der Klassischen Musik, das seit 1981 jährlich im Zeitraum von Ende September bis Anfang Oktober etwa eine Woche lang in Bad Urach stattfindet.[1] Der Sänger Hermann Prey prägte als Mitbegründer und künstlerischer Leiter die ersten Jahre des Festivals bis 1998.[2]

Geschichte

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Bei der Gründung der Musiktage 1981 wirkten drei Persönlichkeiten zusammen: Hermann Prey, der in Bad Urach bereits 1977 Konzerte gegeben hatte, Fridhardt Pascher, der damalige Bürgermeister der Stadt, und Herbert Schenkl, ein musikbegeisterter Bürger und Freund des Sängers. Im Zentrum der Musiktage, so lautete die Grundidee Preys, sollte der Gesang stehen, die menschliche Stimme – zudem ein jährlich wechselndes Hauptthema.[3] Zu den international bekannten Gesangssolisten, die in Bad Urach gastierten, gehören Inge Borkh, Sena Jurinac, Katia Ricciarelli, Edith Mathis, Christa Ludwig, Felicity Lott, Teresa Berganza, Helen Donath, Juliane Banse, Carlo Bergonzi, Peter Schreier, Olaf Bär, Thomas Allen, Franz Hawlata, Michael Volle, Matthias Goerne und Christoph Prégardien.[4] Auch der Tenor Jonas Kaufmann begann seine Karriere unter anderem bei den Musiktagen Bad Urach[5] und kehrte mehrfach als Gastsolist zurück, zuletzt 2009 mit Gustav Mahlers Lied von der Erde. Zu einem Markenzeichen des Festivals entwickelte sich die Wiederentdeckung vergessener und selten gespielter Opern. In diese Reihe gehören Ausgrabungen wie Victor Ernst Nesslers Der Trompeter von Säckingen (1994), Johann Joseph Aberts Ekkehard (1998) mit Jonas Kaufmann in der Titelpartie und Christian Gerhaher als Rudimann,[6] ferner Siegfried Wagners Rainulf und Adelasia (2003), Franz Schuberts Sakontala (2006), Giacomo Meyerbeers Alimelek und Carl Maria von Webers Abu Hassan (2010).[7]

Programm

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Im Mittelpunkt der Programme stehen Liederabende. Hinzu kommen Kammer-, Orchester-, Kirchen-, Chor-, Kinderkonzerte und ein jährlicher Meisterkurs. Die Themen der Festivaljahrgänge lauteten u. a. Hommage an das Meer (2007), Märchenwelten (2013), Glück in allen Variationen (2015) oder Freundschaft und Liebe (2017). Themen der jüngsten Jahre waren Klangerfühlt (2018), Phänomen Zeit (2019) und Witterungen (2020).[3]

Spielstätten

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Der Palmensaal im Residenzschloss Bad Urach

Spielstätten des Festivals sind die städtische Festhalle, die Stiftskirche St. Amandus und das Bürgerhaus Schlossmühle. Teils gastieren die Musiktage auswärts, etwa in der Stadthalle Reutlingen. Die vormals wichtigste Spielstätte – der Palmensaal im Residenzschloss Bad Urach – ist seit 2013 nicht mehr nutzbar und bedarf der Sanierung.[8]

Finanzierung

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Seit 1998 sind die Herbstlichen Musiktage eine Stiftung des bürgerlichen Rechts. Gefördert wird das Festival zu wesentlichen Anteilen vom Land Baden-Württemberg und von der Stadt Bad Urach, außerdem vom Landkreis Reutlingen und von etlichen Sponsoren. Das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg zählt die Herbstlichen Musiktage Bad Urach zu den bedeutenden Festivals des Bundeslandes.[9][10]

Künstlerische Leiter

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Literatur

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Einzelnachweise

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  1. Herbstliche Musiktage Bad Urach. In: Deutsches Musikinformationszentrum (MIZ), aufgerufen am 3. März 2018.
  2. Stephan HörnerPrey, Hermann. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 20, Duncker & Humblot, Berlin 2001, ISBN 3-428-00201-6, S. 712 f. (Digitalisat).
  3. a b Website der Herbstlichen Musiktage
  4. Programme 1981–2020
  5. Thomas Voigt: Jonas Kaufmann. Meinen die wirklich mich? Henschel, Leipzig 2010, ISBN 978-3-89487-669-2, S. 155.
  6. Werkdaten zu Ekkehard auf Basis der MGG mit Diskographie bei Operone – Live-Aufnahme bei den Musiktagen 1998
  7. Beitrag von Amelia Imbarrato zur Festivalgeschichte
  8. Christina Hölz: Vom Glück der Freundschaft. In: Südwest Presse vom 22. September 2017.
  9. Website des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg
  10. Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg (Hrsg.): Kultur 2020. Kunstpolitik für Baden-Württemberg. Stuttgart 2010, ISBN 978-3-00-032298-3, S. 102.