Kleine Morde (2012)

Film von Adnan G. Köse (2011)

Kleine Morde ist ein deutscher Psychothriller aus dem Jahr 2012.

Film
Titel Kleine Morde
Produktionsland Deutschland
Originalsprache Deutsch
Erscheinungsjahr 2011
Länge 94 Minuten
Altersfreigabe
Stab
Regie Adnan G. Köse
Drehbuch Adnan G. Köse
Produktion Neslihan Duy
Eyyüphan Duy
Musik Philipp F. Kölmel
Kamera James Jacobs
Schnitt Manuel Reidinger
Besetzung

Das von der Filmstiftung NRW schon 1995 prämierte Drehbuch von Adnan G. Köse sei eine Metapher auf Schuld und Sühne und eine Anklage an eine Gesellschaft, welche ihre Kinder emotional schlecht betreut, so der Autor.[1] Es ist der letzte Film von Fassbinder-Schauspieler Günther Kaufmann. Verleih ist Studio Canal.[2]

Handlung

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Ein Sprecher erklärt, dass die Handlung im Deutschland der nahen Zukunft spielt. Es folgt in raschen Bildern die Darstellung des Mordes an einem kleinen Jungen, der mit Blitzlicht fotografiert und dann erschossen wird. Der Mörder bleibt unerkannt.

Nach dem Titel wird der Hintergrund der Hauptcharaktere aufgebaut. Die Staranwältin Julia Corner gewinnt einen schwierigen Fall, doch ihr Mandant, der Psychologe Dr. Klaus Starner, nimmt sich kurz darauf noch im Gerichtsgebäude das Leben. Der zwölfjährige Martin Brinkhoff, Sohn eines Richters, ist als Besucher anwesend und sieht sowohl Urteil als auch Selbstmord. Er ist gut erzogen, gebildet und hilfsbereit, jedoch gegen den Willen seines alleinerziehenden konservativen Vaters mit dem Taxifahrer und Waffennarr Victor Gumm befreundet.

Die Polizei findet die Leiche des Jungen aus der Eingangsszene in einer Industriebrache. Überwachungskameras in einem Einkaufszentrum zeigen, dass Martin eine der letzten Personen ist, die das Opfer lebend gesehen haben. Martin beteuert gegenüber seinem Vater und der Polizei seine Unschuld. Der Junge habe sich verlaufen, Martin ihm geholfen, seine Mutter zu finden, und ein Freund, Bodo, sei Zeuge.

Martin versucht seinen Freund Victor Gumm zu überzeugen, ihm ein falsches Alibi zu verschaffen. Er beteuert seine Unschuld, aber er hat Angst vor den Mühlen der Justiz, die er durch seinen Vater sehr gut kennt. Letztlich kann er ihn erpressen, da er Victor nachspioniert und Zeuge wird, wie dieser die Lehrerin Martins, Noela Muth, mit der Victor eine Liebesbeziehung hatte, in ihrem alleinstehenden Haus vergewaltigt.

Durch widersprüchliche Zeugenaussagen, das Auffinden von Martins Analogkamera und seiner Fingerabdrücke am Tatort sowie die Aussage eines Herrn Gossmann verdichtet sich der auf Martin gerichtete Verdacht. Es kommt zur Anklage und Julia Corner wird als Anwältin engagiert. Ein weiterer Verdächtiger ist der unauffindbare Kindermörder Stefan Vierst, welcher aus einer Psychiatrie ausgebrochen ist. Er war Patient von Dr. Klaus Starner.

Auf Wunsch des Staatsanwalts wird Martin in einer kinderpsychologischen Klinik untersucht. Im Laufe der stationären Untersuchung stirbt Martins Vater in seiner Villa an einem Herzinfarkt. Martin ist nun elternlos.

Anwältin Corner befragt weiterhin Martins Umfeld. Die Lehrerin Martins (und weiter oben erwähnte Exgeliebte und Vergewaltigungsopfer von Martins Freund Victor) bekräftigt, wie hilfsbereit und wahrheitsliebend Martin ist. In einem Schuppen auf dem Hof von Zeuge Gossmann findet Anwältin Corner schließlich die Mittel, um seine Zeugenaussage vor Gericht bühnenreif zu entkräften. Außerdem sei Martin die Kamera in Viktors Taxi abhandengekommen und die Fingerabdrücke seien am Tatort, da Martin dort oft gespielt habe.

Vor Gericht zieht Viktor Gumm seine gerade erst getroffene Aussage zurück, zur Tatzeit mit Martin umhergefahren zu sein, da sein Opa im Gerichtssaal die Unstimmigkeit auffällt und sie laut anspricht. Die Verhandlung wird unterbrochen und in der Folge gerät Victor selbst ins Visier der Fahnder, auch weil Noela, die Lehrerin Martins, endlich mit Frau Corner über ihre Vergewaltigung spricht und auf die große Waffensammlung und Gewaltaffinität von Victor hinweist.

Produktion

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Das Drehbuch wurde 18 Jahre lang nicht umgesetzt, bis Drehbuchautor und Regisseur Adan G. Köse zufällig auf einen alten Schulfreund, den Unternehmer Eyyüphan Duy traf. Dieser schlug vor, den Film einfach selbst zu drehen. Die Produktionsgesellschaft SteelWorX Film Production GmbH wurde 2011 gegründet und von Produzentin Neslihan Duy geschäftsführend geleitet.

Mit einem geplanten Budget von 1,2 Millionen Euro und einem tatsächlichen von 1,4 Millionen wurde 27 Tage im Frühling 2011 gedreht. Finanziell wurde Kleine Morde vom DFFF, von der Filmstiftung NRW, von Co-Produzent Alexander von Gleng, dem Projekt deinKult.de und vielen weiteren unterstützt.[3]

Für die junge Produktionsgesellschaft aus Oberhausen war es der erste Kinofilm und so konnten und wurden neue und unübliche Ansätze versucht. Einige Rollen, vor allem die Reporter sind im wirklichen Leben auch Journalisten. So wollte man Authentizität erreichen. Unüblich auch, dass ein Werbefachmann als Artdirector (Timo Breunig) engagiert wurde – solche Positionen werden eigentlich nur bei Animationsgesellschaften bestellt –, man wollte einen anderen Blickwinkel auf das Filmgeschäft. Eyyüphan Duy übernahm auch unüblicherweise das komplette Casting allein. Als Drehorte wurden alte Heimatschauplätze aus dem Leben Adnan G. Köses und Eyyüphan Duys genutzt wie zum Beispiel die Grundschule Marienschule in Lohberg, die gemeinsame Hauptschule Glück Auf (auch Lohberg), die Arbeitsstätte Duys – das Bergwerk Zeche Lohberg in der auch schon der sein Vater arbeitete. Die Premiere hat die Produktionsgesellschaft ebenfalls selbst (in Oberhausen) organisiert, normalerweise Arbeit des Verleihs.[4]

Drehorte waren des Weiteren das Rathaus Oberhausen und das Forum Duisburg sowie Hünxe. Insgesamt waren über 400 Personen Cast und Crew beteiligt.

Der Endtitelsong Fireless wurde von der Band The Black Sheep eingespielt – es entstand ebenfalls ein Musikvideo mit Ausschnitten aus dem Film.

Premiere war am 19. September 2012 in der Lichtburg Oberhausen.[5] Kinostart war der 20. September 2012. Das Einspielergebnis lag in Deutschland bei 6130 Euro: Die Kinobesucherzahlen betrugen insgesamt 1383.

„Mut hat Adnan G. Köse mit seinem zumindest im deutschen Kino eher ungewöhnlichen Genreszenario ohne Frage bewiesen. Nur Mut alleine reicht noch nicht aus. So entscheidet der Regisseur sich nie wirklich, ob er nun eine dystopische Zukunftsvision entwerfen oder doch lieber das Psychogramm eines soziopathischen Mörders zeichnen will. Am Ende ist „Kleine Morde“ weder das eine noch das andere. Dafür bedient Köse aber alle denkbaren Klischees und so ziemlich jeden niederen Instinkt des Publikums.“

filmstarts.de[6]

„Der Streifen beweist immerhin, dass im deutschen Düsterfilm nicht immer gleich Zombies und Splatter vonnöten sind, um hier und da ein wenig zu schockieren und gleichermaßen mit einem gewissen Anspruch zu unterhalten“

ofdb.de – Online-Filmdatenbank[7]

Auszeichnungen

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Silver Horse Cinema and Music Awards Lyon 2013

  • Silver Horse in der Kategorie Bester Film
  • Silver Horse in der Kategorie Bestes Drehbuch
  • Silver Horse in der Kategorie Bester Regisseur
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Einzelnachweise

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  1. V-Blogger Marvinontour für deinKult.de auf der KLEINE MORDE Premiere. Interview mit Adnan G. Köse am 19. September 2012. deinKult.de (Memento des Originals vom 28. Januar 2013 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.deinkult.de (abgerufen 18. Oktober 2012).
  2. LITTLE MURDERS (KLEINE MORDE). Englischsprachiger Artikel über Kleine Morde inkl. Kurzinformationen zum Regisseur. German Films (abgerufen 25. März 2014).
  3. Sommer 2011: Stars und Drehs in NRW. Bericht über Produktionen in NRW. Film und Medien Stiftung NRW (Memento vom 30. Januar 2016 im Internet Archive) (abgerufen 19. Oktober 2012).
  4. Premiere für "Kleine Morde". Beitrag über Produktion und Premiere von Kleine Morde. RP Online Dinslaken (abgerufen 19. Oktober 2012).
  5. Premiere für „Kleine Morde“ in der Lichtburg Oberhausen. Beitrag die Premiere. Film und Medien Stiftung NRW (Memento vom 6. Dezember 2014 im Internet Archive) (abgerufen 19. Oktober 2012).
  6. http://www.filmstarts.de/kritiken/193095/kritik.html
  7. http://www.ofdb.de/review/222737,542826,Kleine-Morde