Pietrabruna

italienische Gemeinde

Pietrabruna (im Ligurischen: Priabrùna) ist eine norditalienische Gemeinde mit 453 Einwohnern (Stand 31. Dezember 2022) in der Region Ligurien, politisch gehört sie zur Provinz Imperia.

Pietrabruna
Pietrabruna (Italien)
Pietrabruna (Italien)
Staat Italien
Region Ligurien
Provinz Imperia (IM)
Koordinaten 43° 53′ N, 7° 54′ OKoordinaten: 43° 53′ 0″ N, 7° 54′ 0″ O
Höhe 400 m s.l.m.
Fläche 9,95 km²
Einwohner 453 (31. Dez. 2022)[1]
Postleitzahl 18010
Vorwahl 0183
ISTAT-Nummer 008041
Bezeichnung der Bewohner Pietrabrunesi
Schutzpatron Matthäus
Website www.comunepietrabruna.it

Blick auf Pietrabruna
Das Denkmal am Ortseingang nach Torre Paponi

Das autofreie Bergdorf inmitten von Olivenhainen und Eichenwäldern zu Füßen des Monte Follia liegt etwa fünf Kilometer Luftlinie vom Mittelmeer in einem Seitental südwestlich von Dolcedo, dem Valle di San Lorenzo, und ist über die serpentinenreiche Provinzstraße SP45 in nicht ganz zehn Kilometer Entfernung mit dem Küstenort San Lorenzo al Mare verbunden. Die benachbarten Ortsteile Boscomare und Torre Paponi sind über die SP45 oder kleine Nebenstraßen erreichbar. Es existiert eine Busverbindung in den Ort.

Geschichte

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Das Dorf wurde erst im späten Mittelalter gegründet. Im Besitz der Familie Clavesana wurde es 1162 dem damaligen Herren von Lengueglia, Anselmo die Quaranta, übergeben. Die Herren von Lengueglia waren ein Adelsgeschlecht, die vom benachbarten Lingueglietta[2] aus die Bergregion beherrschten. Wohl Ende des 12. Jahrhunderts wurde das Dorf von Porto Maurizio als Lehen erworben. Die Bewohner Porto Maurizios zerstörten das ursprünglich schon befestigte Dorf und erbauten eine neue Ansiedlung auf heutiger höher gelegener Position. Im Jahre 1613 erreicht der Ort seine Eigenständigkeit.[3]

Das den Opfern der Bombardierung durch die Wehrmacht vom 14. bis 16. Dezember 1944 gewidmete Denkmal entwarf 1984 der Architekt Papone Bartolomeo im Weiler Torre Paponi. Das Kriegsverbrechen, bei dem der Weiler in Brand gesetzt und 28 Menschen getötet wurden, war nach Darstellung der Nazis eine Rache für die Erschießung eines deutschen Wehrmachtsangehörigen nahe Imperias.[4]

Porto Maurizio ließ die Kirche des Hl. Matthäus erbauen, die nicht mehr erhalten ist, da an ihrer Stelle 1844 eine klassizistische Predigerkirche, die einzige diesen Stils in großem Umkreis, erbaut wurde. Restaurierungen geben ihr inzwischen ein barockes Aussehen. Die Kirche hat die Form eines Kreuzes. Außerhalb und unterhalb Ortes am heutigen Friedhof liegt die romanische Kirche des Hl. Gregor aus dem 12. Jahrhundert mit gotischen Portalen. Interessant ist im Ort noch die Predigerkirche der Hl. Maria, die einem Büßerorden, dem Orden der weißen Büßer, gehört. Die Kirche ist ein Bau aus dem Übergang des 16. ins 17. Jahrhundert und hat ihr Aussehen weitgehend bewahrt. An der Fassade befindet sich ein Fresko des Malers Portorino Domenico Virenti.[5]

Geographie

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Pietrabruna, Hauptsitz der Gemeindeverwaltung, mit den Weilern Boscomare (südlich) und Torre Paponi (südöstlich), liegt an den Hängen des 1149 Meter hohen Monte Faudo. Das typisch ligurische Bergdorf besteht in seinem historischen Ortskern aus charakteristischen Gassen und kleinen Plätzen. Pietrabruna gehört zu der Comunità Montana dell’Olivo und ist circa 17 Kilometer von der Provinzhauptstadt Imperia entfernt.

Nach der italienischen Klassifizierung bezüglich seismischer Aktivität wurde die Gemeinde der Zone 2 zugeordnet. Das bedeutet, dass sich Pietrabruna in einer seismisch moderat bis stark aktiven Zone befindet.[6]

Die Gemeinde wird unter Klimakategorie D klassifiziert, da die Gradtagzahl einen Wert von 2093 besitzt. Das heißt, die in Italien gesetzlich geregelte Heizperiode liegt zwischen dem 1. November und dem 15. April für jeweils 12 Stunden pro Tag.[7]

Der Ort ist bekannt für seine Spezialität der La Stroscia, einem süßen Mürbegebäck,[8] das heute noch vor allem zum Fest des Hl. Matthäus traditionell im Ort gebacken wird. Die umgebenden Olivenhaine sind heute, neben dem Tourismus, noch Erwerbsquelle der Bewohner und bestehen überwiegend aus der lokalen ligurischen Taggiasca Olive.

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Commons: Pietrabruna – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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  1. Bilancio demografico e popolazione residente per sesso al 31 dicembre 2022. ISTAT. (Bevölkerungsstatistiken des Istituto Nazionale di Statistica, Stand 31. Dezember 2022).
  2. heute Ortsteil von Cipressa
  3. Geschichte des Dorfes (Memento vom 23. September 2015 im Internet Archive) auf der Webseite www.comunepietrabruna.it
  4. Gerhard Schreiber: Deutsche Kriegsverbrechen in Italien. Täter, Opfer, Strafverfolgung. Verlag C. H. Beck, München 1996, ISBN 978-3-406-39268-9. S. 205;
    siehe auch: Istituto Ligure per la storia della Resistenza e dell’Età contemporanea (ILSREC): Memoria nella pietra – Monumenti alla Resistenza ligure 1945–1995, Genua 1996;
    Onlineinformation: Pietrabruna / Torre Paponi. In: gedenkorte-europa.eu. Studienkreis Deutscher Widerstand 1933–1945 e.V.;, abgerufen: 4. August 2015
  5. Kunst und Kultur (Memento vom 6. März 2016 im Internet Archive) auf der Webseite www.comunepietrabruna.it
  6. Ordinanza PCM n. 3274 vom 20/03/2003
  7. Daten von Confedilizia (Memento vom 20. Mai 2011 im Internet Archive)
  8. Traditionales Rezept der stroscia (Memento vom 23. September 2015 im Internet Archive) auf www.comunepietrabruna.it