Siegfried Arno

deutscher Schauspieler

Siegfried „Sig“ Arno (eigentlich Siegfried Aron, ab 1940 auch Sig Arno; * 27. Dezember 1895 in Hamburg; † 17. August 1975 in Woodland Hills, Kalifornien) war ein deutscher Schauspieler, Komiker, Sänger und Tänzer.

Ossi Oswalda und Siegfried Arno werben für die Zeitschrift Das Leben (1926)

Leben und Wirken

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Siegfried Arno (links) 1931 mit Kurt Gerron

Seine Eltern waren der Kassierer Louis Aron und seine Frau Emilie Elise Adele Amanda, geborene Bez. Arno besuchte die Talmud-Tora-Schule in Hamburg und absolvierte danach eine Ausbildung als Modezeichner an der Hamburger Kunstgewerbeschule. Er war Mitglied des Hamburger Theatervereins und hatte seine ersten Anstellungen 1912 bis 1914 am Stadttheater in Harburg und 1914/15 am Neuen Operettentheater. 1916 als Soldat an der Westfront.[1] Nach dem Ersten Weltkrieg arbeitete er in Hamburg, Prag und ab 1921 in Berlin. Im selben Jahr hatte er sein Filmdebüt in Die rote Katze. Seit Mitte der 1920er Jahre war Arno ständig beim Film, hauptsächlich in Komödien tätig. Anfänglich stand ihm sein jüngerer Bruder Bruno Arno zur Seite.

Der große und schlaksige Arno mit einer ausgeprägten Nase bildete mehrfach ein Komikerduo mit dem korpulenten Kurt Gerron. In Georg Wilhelm Pabsts Die Liebe der Jeanne Ney und Die Büchse der Pandora spielte Arno kleine Nebenrollen als Detektiv bzw. Theaterinspizient.

Mit Beginn des Tonfilms gelang Arno Anfang der 1930er Jahre der Sprung zum Star einer Reihe Grotesk-Lustspiele: u. a. Die vom Rummelplatz, Moritz macht sein Glück, Der Storch streikt, Ein ausgekochter Junge, Keine Feier ohne Meyer, Um eine Nasenlänge und Der schönste Mann im Staate. Arno galt zu dem Zeitpunkt als „deutscher Chaplin“.

1933 emigrierte er aus dem nationalsozialistischen Deutschland und arbeitete an Kabaretts und Theatern in den Niederlanden, Belgien, der Schweiz, Italien, Spanien und Portugal. 1939 reiste er schließlich in die USA, wo er als Nebendarsteller Beschäftigung fand, z. B. in Wilhelm Dieterles Der Glöckner von Notre Dame (1939) und Komödien wie Der große Diktator (1940), In der Hölle ist der Teufel los (1941) und Abbott und Costello unter Kannibalen (1942). Seine bekannteste Rolle in Hollywood spielte er wahrscheinlich als Toto, der bizarre und gesprächige Verehrer von Mary Astor, in Preston Sturges’ Screwball-Komödie Atemlos nach Florida (1942). Daneben verdingte er sich als Zeichner und Porträtmaler und arbeitete am Broadway, 1954 am Deutschen Theater New York.

1956 wurde Arno von Marcel Prawy nach Wien eingeladen und spielte dort an der Wiener Volksoper in dem Musical Wonderful Town von Leonard Bernstein an der Seite von Bruce Low und Olive Moorefield. Gastspiele führten ihn wieder ins Ausland, auch in die Bundesrepublik Deutschland, wo er 1966 das Filmband in Gold für langjähriges und hervorragendes Wirken im deutschen Film erhielt.

Arno war von 1923 bis 1932 mit der Schauspielerin Karoline (Lia) Dahms (* 1898 Hamburg, † 1982 Los Angeles) verheiratet,[2] von 1934 bis 1953 mit Barbara Kirsanoff (* 1906 Wien, † 1995 Los Angeles)[3] und von 1954 bis 1970 mit der österreichischen Schauspielerin Kitty Mattern.[4] 1971 heiratete er nochmals Karoline Dahms.[5] Sein Sohn Peter Paul (* 1. Mai 1926, Berlin-Charlottenburg) aus der ersten Ehe wurde Kostüm- und Bühnenbildner.

Arno starb nach langem Leiden am 17. August 1975 an der Parkinson-Krankheit im Actors Fund Hospital, Woodland Hills, L. A. Seine Asche wurde im Meer verstreut.[6]

Auszeichnungen in Deutschland

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  • 1966 Deutscher Filmpreis: Filmband in Gold für langjähriges und hervorragendes Wirken im deutschen Film

Filmografie

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  • 1930: Wenn die Elisabeth nicht so schöne Beine hätt' (Text/Musik: Robert Katscher, Karl Farkas, Géza Herczeg. Charlston-Rhythmus)
  • Was kann der Sigismund dafür, daß er so schön ist
  • Das verliebte Orchester

Literatur

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Commons: Siegfried Arno – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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  1. Peer Moritz: Dolly Haas und Sigi Arno. Das Mädchen mit den märchenroten Haaren und "der schönste Mann im Staate", S. 210 In: René Senenko (Hrsg.): „Mit revolutionären Grüßen“. Postkarten der Hamburger Arbeiterbewegung 1919–1945 für eine Welt ohne Ausbeutung, Faschismus und Krieg. VSA Verlag, Hamburg 2022
  2. Standesamt Berlin-Schöneberg II, Heiratsurkunde Nr. 930 vom 8. November 1923
  3. Barbara Aron Arno, Antrag auf Einbürgerung, Declaration of Intention Nr. 120840, ausgestellt in Los Angeles am 8. September 1944
  4. State of California. California Divorce Index, 1966–1984
  5. State of California. California Marriage Index, 1960–1985
  6. Sig Arno in der Datenbank Find a Grave, abgerufen am 2. April 2024.